Re-Makes, -Masters, -Mixe und -Boots Teil 2

Lang lang ist ‘s her! Vor vier Wochen haben wir hier angefangen über Remixes und Remasters zu sprechen. Remakes und Reboots haben wir in die Zukunft verschoben. Jetzt ist die Zeit gekommen das Thema wieder aufzugreifen. Dazu schauen wir uns erstmal wieder an, was die verschiedenen Arten im Detail bedeuten und welche Vor- beziehungsweise Nachteile geboten werden.

Remakes

Letztes Mal hatten wir ja schon kurz festgelegt, dass Remakes oder Neuverfilmungen eine Vorlage im selben Medium mit ausschließlich neuem Material rekreieren. In die Definition würde ich allerdings noch Werke einschließen, die das selbe Quellmaterial umsetzen. 

Es hört sich nicht unbedingt so vorteilhaft an, nochmal das Geld zu investieren, das man bereits investiert hat, um nochmal ein ähnliches Produkt auf den Markt zu bringen. Allerdings werden Remakes fürs Kino eher genutzt, um Filme einem anderen Publikum zugänglich zu machen. Zum Beispiel hat Hollywood die unangenehme Angewohnheit Remakes zu erfolgreichen nicht-englischsprachigen Filmen zu produzieren, die komplett den Punkt der Originale verpassen, selbst wenn sie diese Szene für Szene nachstellen. Ein gutes Beispiel dafür ist der spanische Horrorfilm “REC”, der als “Quarantäne” neu verfilmt wurde, welcher einfach nur uninspiriert war und großartige Szenen komplett zerstört hat. Ich habe auch echt Angst um das amerikanische “Your Name”-Remake. Sprache ist allerdings nicht das einzige was ein Publikum verschrecken kann, auch veraltete Technik, wie Schwarz-Weiß- oder Stummfilmen, kann potentielle Zuschauer vergraulen. In Filmen ist das allerdings nicht mehr üblich, auch wenn es oft versucht wurde. Mittlerweile macht man lieber Reboots, um Franchises zu starten oder eine jüngere Generation besser anzusprechen. Die Aktualisierung der Technik passt wesentlich besser zu Videospielen, da es viele Spiele gibt, die als Klassiker gelten, aber auf modernen Bildschirmen mit modernen Gewohnheiten, nicht mehr wirklich schön anzusehen sind. 

Als kleine Nebenbemerkung, da bei dem Thema viel Halbwissen beteiligt ist: Ja, es hat auch tatsächlich etwas mit Bildschirmen zu tun, da Röhrenmonitore keine Pixel darstellen und die Bildpunkte so etwas ineinander laufen. So sind die Spiele von damals nicht mit heutiger Pixelart zu vergleichen. Auch Spiele mit wenigen Polygonen und treppigen Kanten, sehen dadurch auf alten Bildschirmen besser aus als auf Modernen. Trotzdem hat das alles auch etwas mit sich verändernden Ansprüchen zu tun. 

Spiele noch einmal komplett neu zu erstellen, klärt natürlich das Problem, das die Remasters hatten, dass nur höher aufgelöste Texturen nicht super viel an der Grafik ändern. Dennoch haben wir das Problem, dass ein Remake deutlich mehr kostet als ein Remaster, also muss die erwartete Kundschaft entsprechend groß sein. Ein weiterer Vorteil ist bei animierten Medien zu finden. Wenn man einen Klassiker mit modernen Methoden und mehr Budget beziehungsweise Man-Power neu animiert, kann man eine bessere optische Qualität zu einem Publikumsliebling bringen ohne irgendetwas zu verändern.

Reboots

Letztes Mal hatten wir festgestellt, dass Reboots bekanntes Material neu auslegen beziehungsweise ein Franchise neu starten. Allerdings können die Änderungen auch sehr klein sein, um das Werk einem neuen Publikum zugänglich zu machen. Reboots sehen wir besonders im Superhelden-Genre häufig. So haben wir in den letzten zwanzig Jahren 3 Realfilm Adaptionen von Spider-Man gesehen mit insgesamt sieben Filmen und einem Achten auf dem Weg. Würden wir die animierten Adaptionen mitzählen, wären es sogar noch deutlich mehr. Aber auch Warner Brothers hat mit “The Suicide Squad” einen Film rebootet der noch gar nicht so alt war. Aber auch in anderen Bereichen sind Reboots beliebt, so möchte HBO das oscar-prämierte koreanische Drama “Parasite” als Serie neu verfilmen.

Der große Vorteil eines Reboots ist auf einen bekannten Namen zurückgreifen zu können, aber sich auf nichts festlegen zu müssen. Außerdem muss man nicht mal viel Atmosphäre aufbauen oder Worldbuilding betreiben, da die meisten Zuschauer bereits das ursprüngliche Werk kennen und wissen, um was es geht. Ältere Titel, wie “The Man from U.N.C.L.E.” mit dem Reboot “Codename U.N.C.L.E.”, können einem modernen Publikum sogar zum ersten mal vorgestellt werden und dabei alte Konzepte, die sich bewährt haben, wiederverwenden. Durch die eher lose Verbindung gibt es relativ wenig Risiken bei der Produktion, da das alte Werk nicht berührt wird. Da man auf ein bekanntes Franchise zurückgreift, sind sogar die wirtschaftlichen Risiken leichter abzuschätzen.

Rebootmakes?!

Lasst uns über zwei Titel reden, die zwischen Reboots und Remakes stehen. Namentlich das Spiel “Final Fantasy VII Remake” und die “Neon Genesis Evangelion Rebuild” Filme. Beide haben eine interessante Idee wie man ein, in ihrer Niche sehr beliebtes, Werk erneuern kann.

Fangen wir mit dem Remake von “Final Fantasy VII” an. Ich glaube das Team dahinter hat eine sehr wichtige Beobachtung gemacht: “Wenn wir zu viel verändern, gibt es einen riesigen Aufschrei. Wenn wir nichts verändern, passt das nicht in moderne Standards und wir verlieren den anderen Teil unserer potentiellen Kunden.”

Also was kann man machen? Die Lösung hier ist meiner Meinung nach ziemlich gut. Man hat die Story in groben Zügen beim Alten belassen, hat aber einige Charaktere besser eingeführt als 1997. Immer wenn die Geschichte zu stark von der damaligen abweicht, tauchen die “Moiren” auf. Diese sind geisterhafte Erscheinungen, die versuchen “das Schicksal zu bewahren”, in dem sie den Verlauf der ursprünglichen Geschichte erzwingen. Damit sind sie eine direkte Manifestation der ersten Stimme (“Zu viel Veränderung => Aufschrei”) in der Spielwelt. Um den besten Einsatz am Ende des Spiels zu erklären müssen wir kurz noch ein wenig Hintergrundinfos besprechen. Der Regisseur des Spiels Tetsuya Nomura wurde in einem Interview darauf angesprochen, dass der Antagonist “Sephiroth” im ursprünglichen Spiel erst viel später auftritt als in dem Remake. Darauf antwortete er, dass die Figur so ikonisch ist, dass sein Auftritt keine Überraschung mehr wäre und nicht funktionieren würde. Ähnliches dürfte wohl auch für einen der bekanntesten Spoiler des Internets gelten: Dem Tod eines spielbaren Charakters namens Aerith. Ähnlich wie der Antagonist würde diese Szene im Remake nicht mehr funktionieren. Hier kommt der geniale Trick mit den Moiren ins Spiel. Am Ende des Remakes, ist man ca. zu einem Fünftel in der ursprüngliche Geschichte. An dieser Stelle kämpft die Gruppe gegen die Moiren und besiegt sie. Das impliziert, dass sich die Geschichte ab jetzt frei verändern kann. Damit ist es möglich, die angesprochene Szene zu vermeiden oder zu verändern. So hat sich das Entwicklerteam deutlich mehr Freiheit für die nächsten Kapitel erspielt.

Hideaki Anno hat über einen Zeitraum von 14 Jahren seine Erfolgsserie “Neon Genesis Evangelion” in 4 Filmen neu aufgelegt. Dabei erweckt der Erste den Eindruck eines Remakes, das sich relativ nahe an die ursprüngliche Geschichte hält und sie teilweise szenengetreu aufhübscht. Der Zweite wirkt wie ein Reboot, das sich drastisch von der ursprünglichen Serie abspaltet. Die beiden Letzten machen klar, dass es sich vielmehr um eine Fortsetzung handelt. Was diese sogenannten “Rebuild”-Filme besonders macht, ist das sie davon ausgehen, dass die ursprüngliche Serie gesehen wurde. Damit wird sehr stark von dem vorher genannten Vorteil einer bereits bekannten Welt mit bekannten Strukturen und Charakteren profitiert. Zugegebenermaßen ist diese Reihe damit kein lupenreines Remake und kein echtes Reboot, sondern viel eher eine Fortsetzung und erschließt auch kein neues Publikum. Dennoch wird absichtlich dieser Eindruck vermittelt, um auf einer Metaebene, die damit verbundenen Stereotypen zum eigenen Vorteil auszunutzen.

Damit hätte ich mir auch das endlich von der Seele geschrieben. Gibt es etwas was ich verpasst habe? Habt ihr noch weitere Gedanken zu diesem Thema?

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