Re-Makes, -Masters, -Mixe und -Boots Teil 1

Bei Videospielen gibt es seit der vorletzten Konsolengeneration einen Boom von Remakes, die mit verschiedenen Suffixes auf den Markt geworfen werden. Dieser langanhaltende Trend ist wenig verwunderlich, da auch bei Filmen und sogar in der Musik Remakes, Reboots und Remixe keine Seltenheit sind. Schauen wir uns mal die verschiedenen Arten an, wie man Werke neu aufziehen kann, ihre Vor- und Nachteil, sowie ein paar Wege, wie man Probleme umgehen kann.

Stecken wir den Rahmen ab

Wir müssen leider erstmal über die Begrifflichkeiten reden, weil sie leider oft austauschbar verwendet werden, aber eigentlich nicht gleichbedeutend sind. 

Fangen wir mit Remastering an, da es am wenigsten Einfluss auf das ursprüngliche Werk nimmt. Dieser Begriff beschreibt das erneute “mastern” eines Musikstücks oder eines Films. Das “Mastern” beschreibt den letzten Schliff bei der Produktion eines Musikstücks. Dabei wird nichts mehr aufgenommen und nichts mehr geschnitten, nur noch abgemischt und fein abgestimmt. Bei Filmen bezieht sich Remastering oft auf das Entfernen von Störsignalen, das Abtasten von analogem Film in höherer Auflösung oder Manipulation von Farbstimmungen und Nachkolorierung.

Zum Remixen würde man, puristisch gesehen, nur die Abmischung verändern, was ein Teil des Mastering-Prozesses ist. Also sind Remixes auch immer Remasters? Nein, klassischerweise werden auch Radio Edits und Extended Versions (ausgedehnte Versionen) als Remixe bezeichnet. Erstere sind in der Regel gekürzte Versionen, die Schimpfwörter zensieren, damit sie im Radio abgespielt werden können. Letztere ist eine erweiterte Version mit, zum Beispiel, mehr Strophen. Sprich in Remixen wird nicht nur die Abmischungen verändert, sondern es kann auch Material hinzugefügt oder entfernt werden. Damit hat man tatsächlich etwas mehr Freiheiten beim Remixen als beim Remastern.

Kommen wir nun zu Remakes beziehungsweise Neuverfilmungen. Dabei wird ein bestehender Film oder eine bereits verfilmte Vorlage erneut mit in der Regel komplett neuem Material verfilmt. Allerdings hält man sich weiterhin an die Vorlage und versucht nicht eine neue Geschichte zu erzählen, die nur lose auf dem ursprünglichen Werk basiert.

Abschließend schauen wir uns noch Reboots an, welche ziemlich genau das sind was der Name verspricht: Neustarts. Reboots starten eine Geschichte neu und ändern in der Regel einiges gegenüber der Vorlage, da sie nicht an diese gebunden sind. Die Grenzen zwischen Remakes und Reboots können allerdings fließend sein, je nachdem wie viel Freiraum man einem Remake einräumen möchte. Für mich ist es wichtig, dass sich etwas Grundsätzliches ändert und nicht nur ein paar Plotpunkte oder Namen und Details.

Jetzt haben wir unsere Schubladen definiert, nun können wir sie uns einzeln anschauen und besprechen.

Remastering

Ein Remaster ist zum einen die günstigste Variante einer Neuauflage, als auch die, die das Werk am wenigsten verändern. Im cineastischen Bereich ist diese Art der Neuauflage beliebt, um Klassiker etwas aufzupolieren und nochmal zu verkaufen. Wenn eine neue Technologie wie Blu Ray, DVD oder sogar VHS verfügbar wird, werden gerne alte Filmrollen neu abgescannt und in besserer Auflösung auf das neue Medium gespielt beziehungsweise gepresst.

Das hört sich nach einem Produkt an, welches mühe- und seelenlos auf den Markt geworfen wird, um aus einem alten Werk nochmal ein wenig Geld zu quetschen. Allerdings freue ich mich, wenn ein Klassiker im Blu Ray-Format verfügbar und in Full-HD oder sogar noch schärfer genießbar ist. Durch immer besser werdende digitale Nachbearbeitungsmethoden wird es allerdings auch immer verlockender, Aspekte des Films im nachhinein zu manipulieren. So wurden bei Steven Spielbergs E.T. in der Edition zum zwanzigsten Jubiläum Waffen in den Händen von F.B.I. Agenten digital durch Walkie Talkies ersetzt. Letztendlich war das keine große Veränderung, obwohl sie natürlich die akute Gefahr in der Fluchtsequenz vermindern. Dennoch nannte Spielberg diese Version später “a really bad version” und gelobte mit den Worten “[…] that’s the last time I decided to ever mess with the past.” das nicht zu wiederholen. Da auch Star Wars einige Probleme mit dieser Art Nachbearbeitung hatte, werden wir wohl hoffentlich keine Remaster mit solchen Veränderungen mehr sehen. Andere Änderungen am Material sind im Umfang eines Remasters nicht möglich daher können wir dazu nicht mehr viel sagen.

Als Videospielkonsolen die HD-Generation erreicht haben, wurden auch Videospiel-Freunde mit dem Konzept des Remasters in Form von HD-Kollektionen vertraut gemacht. Objektiv sahen die Spiele nicht wirklich viel besser aus, da hochauflösende Texturen kein Ersatz für komplexere Modelle sind. Außerdem kann man auch für das Gameplay die höhere Hardwareleistung nicht nutzen, da man ja den Quelltext nicht mehr verändert. Allerdings waren diese Spiele dennoch beliebt, immerhin konnte man Titel, die man vor mehreren Jahren, teilweise sogar Jahrzehnten, verpasst hatte nachholen, ohne alte Konsolen zu teuren Preisen nachzukaufen, nur um dann auch für das Spiel nochmal tief in den Geldbeutel zu greifen.

Remixe

In Filmen sind Remixe keine Seltenheit, allerdings werden sie nicht als solche vermarktet, sondern eher als alternative Schnittfassungen beziehungsweise häufig als Director’s Cut. Viele sagen diese Versionen sind näher an der künstlerischen Vision des Regisseurs. Das fällt mir manchmal schwer zu glauben, wenn haufenweise Szenen neu gefilmt werden, aber in der Regel reichen die bereits gefilmten Szenen aus.

Also warum sollte man eine alternative Schnittfassung erstellen? Besonders interessant ist das natürlich bei gefloppten Filmen, ein Studio kann mit wenig finanziellem Aufwand einen Film so ändern, dass man ihn nochmal neu veröffentlichen kann. Dazu kommt ein hohes Medieninteresse und die entsprechende Berichterstattung, was letztendlich kostenlose Werbung ist. Das haben wir zum Beispiel vor kurzem mit “Justice League” gesehen. Für einen Regisseur ist das wahrscheinlich auch etwas Gutes ein Werk erneut anpacken zu können und dabei nicht nur seine ursprüngliche Vision, sondern auch eine vergangene Fassung und die Reaktion des Publikums darauf zur Verfügung zu haben. Das ist eine Erfahrung, die nicht viele Kunstschaffende haben. Das Publikum freut sich in der Regel auch einen Film zu sehen der besser ist als die andere Version. Es fällt mir schwer einen Nachteil an alternativen Schnittfassungen zu finden, da selbst schlechtere Versionen ja ältere Werke nicht überschreiben und sie trotzdem einen Einblick geben, wie eine andere Interpretation des Werks aussehen könnte.

Da Schnittfassungen etwas zu viele variable Teile haben, kann ich leider auch dazu keine allgemeinen Tipps geben.

Für Videospiele sind Remixes nahezu nicht vorhanden, da ein Videospiel-Level deutlich mehr Arbeit ist als eine Filmszene, daher werden sie sehr genau geplant und es gibt auch deutlich seltener gelöschte Level als gelöschte Szenen. Entsprechend ist es auch schwierig Level im nachhinein zu erstellen und in eine Narrative einzufügen. Allerdings gibt es in der Regel zusätzliche Inhalte, die normalerweise aber eher Anhängsel sind und einzeln verkauft werden.

Da dieser Eintrag wieder relativ lang geworden ist, aber gerade erst die Grundlagen besprochen wurden, werde ich ihn wieder auf zwei Wochen und zwei Teile aufteilen. Nächstes mal sprechen wir dann über Remakes und Reboots, die noch einmal einiges an Gesprächsstoff bieten.

Quellen

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