Drei Storytelling-Kniffe, die ich schätze

Leider bin ich im Moment etwas beschäftigt und habe in den letzten zwei Wochen nicht einen Film gesehen oder ein Spiel gespielt, das mich für einen Blogpost motiviert hätte. Allerdings habe ich interessanterweise auf YouTube ein Video gesehen, welches einige Storytelling-Kniffe anwendet, die ich sehr mag. Ich habe kurz darüber nachgedacht, ob ich wirklich darüber reden will, aber warum nicht. Immerhin kann ich das Video hier sogar einbetten, sodass es sich jeder anschauen kann. Natürlich werde ich weiterhin wichtige Aspekte zusammenfassen, immerhin kann man sich nicht immer eine halbe Stunde Zeit nehmen, um ein Video zu schauen, obwohl man nur einen Blogpost lesen wollte.

Also hier ist das besagte Video:

Das Video erzählt also die Geschichte wie ein YouTuber sich einen neuen PC kauft. Was daran ist nun so spannend? Zuerst sollte man sagen, dass ich mich immer freue, wenn jemand eine Geschichte aus seinem Leben erzählt und sich etwas Mühe dabei gibt. Leider reicht den meisten Menschen der Grundschul-Erzählstil, also das klassische “Und dann… und dann… und dann…”. Der Stil ist absolut ausreichend, um Informationen zu übermitteln, daher ist das auch in Ordnung, immerhin will man sich nicht anstrengen, um einen Schwank aus seinem Leben wiederzugeben. Aber was sind die drei Kniffe, die ich in diesem Video insbesondere schätze?

Alltägliches Konzept in neuem Gewand

In dem Video beschreibt der Autor seine Erfahrung mit dem Kauf eines neuen PCs. Die Firma, bei der er diesen bestellt hat, wird fast wie eine Entität des kosmischen Horrors dargestellt, da sie als dieses ungreifbare Etwas inszeniert wird, von dem man immer nur einen kleinen Teil in Form von Telefon-Service-Vertretern wahrnehmen kann.

Diesen Kniff liebe ich vor allem in Horrorfilmen. Ein bekanntes Konzept, wie ein Unternehmen, in ein unbekanntes Element zu verwandeln, was der Hauptfigur nicht unbedingt wohlgesonnen ist. 

Insbesondere diese Darstellung eines Unternehmens, als undurchsichtiges Monstrum in dem einzelne Menschen absolut keinen Einfluss haben und nur einen so kleinen Teil überblicken können, dass sie es praktisch überhaupt nicht überblicken können, wurde schon in “Cube”(1997) diskutiert. In dem Film finden sich sechs Menschen in einem riesigen, mechanischen Würfel wieder, der mit tödlichen Fallen gespickt ist. Unter ihnen befindet sich ein Gebäudeplaner, der im Laufe des Filmes erkennt, dass diese Todesfalle zum Teil von ihm entworfen wurde. Er wusste nicht was er entwirft. Es wird offensichtlich, dass andere Beteiligte an der Konstruktion wohl ähnlich wenig über das tatsächliche Produkt ihrer Arbeit wussten und wahrscheinlich immer noch nicht wissen. Im Laufe des Films wird auch keine abschließende Erklärung dafür gefunden.

Damit kommen wir eben zu dem wichtigsten Punkt dieses Abschnitts: “Selbst in der fiktionalen Form muss man sich immer noch mit der Situation identifizieren können.” Im Fall der beiden Beispiele kann wohl kaum jemand behaupten, die grundlegende Prämisse nicht zu kennen. Etwas bestellt zu haben, festzustellen, dass das nicht richtig ist, und sich dann mit dem Kundenservice rumschlagen zu müssen, ist wohl eine universelle Erfahrung im 21. Jahrhundert. Dasselbe gilt wohl auch dafür einen Arbeitsauftrag zu bekommen, nicht zu wissen, warum man das tun soll, und es trotzdem zu tun.

Etwas Wichtiges aufgeben

Es ist nicht untypisch, dass ein fiktionaler Charakter den Preis für seine Fehler oder für eine Weiterentwicklung zahlen muss. Irgendetwas, das nie mehr so sein wird wie früher, einen wichtigen Menschen oder Gegenstand, einen tatsächlichen monetären Preis oder ein wichtiges Prinzip. Leider wird das mittlerweile eher inkonsequent umgesetzt. In langlaufenden Serien, insbesondere in Sitcoms, kann man den Status Quo nicht zu stark verändern, in Kino-Universen müssen Charaktere bestimmte Dinge weiterhin tun oder haben, damit andere Teile des Universums konsistent bleiben oder, wenn man es zynischer sehen will, dass man noch Spielzeug und Merchandise zu dieser Figur verkaufen kann.

Daher finde ich es, umso wichtiger, dass in abgeschlossenen Werken keine zu großen Kompromisse gemacht werden. Das sehen wir auch in diesem Video. Der Autor nimmt am Ende ein Angebot der Firma an, welches mit Sicherheit nur gemacht wurde, damit die Firma keinen schlechten Eindruck bei seinem großes Publikum zurücklässt. Der Autor stellt klar, wie wichtig ihm seine Integrität ist, welche er daran festmacht genau solche Angebote nicht anzunehmen. In der heutigen Welt wird der Autor mit seinem Einfluss bereits sehr lukrative Angebote bekommen und abgelehnt haben. Zusätzlich wird die Wichtigkeit nochmal dadurch unterstrichen, dass sowohl die Partnerin der Hauptfigur als auch sein Publikum ihn ermutigen müssen, das Angebot anzunehmen, obwohl es sein Martyrium beenden würde. Er nimmt letztendlich das Angebot an, verliert diese Integrität und, durch die Veröffentlichung dieses Fakts, wird er sie auch nie wieder bekommen können, selbst wenn er für sich selbst entscheidet, dass das nicht wirklich zählt.

Die Moral der Geschichte…

Es ist immer eine gute Idee, am Ende den Status Quo zu verändern oder Charaktere beziehungsweise manchmal sogar das Publikum etwas lernen zu lassen. Das muss nicht zwingend so sein, zum Beispiel ändert sich in “Big Lebowski” gar nichts und die Hauptfiguren sind wieder am selben Punkt, wie am Anfang. Außerdem lernen sie nicht wirklich etwas dazu, ob man als Zuschauer etwas gelernt hat, muss man selbst entscheiden.

In dem Video wird die Moral überspielt, in dem der Autor feststellt: “[…] But I have learned one thing: I am a […] idiot!” – “Aber ich habe Eines gelernt: Ich bin ein Idiot!”. Durch den abschließenden Absatz wird jedoch deutlich klar, dass der Autor gelernt hat, dass niemand alles kann und es keine Schande ist nach Hilfe zu fragen. Das ist zwar eine so einfache Lektion, dass sie in einem Kinderbuch nicht fehlplatziert wäre, allerdings ist das etwas was zumindest ich regelmäßig vergesse. Vielleicht geht es euch ja genauso.

Die letzten beiden Aspekte sind zwar auch in der Heldenreisen und vielen Weiterentwicklungen davon schon formuliert, das heißt Menschen die sich deutlich besser auskennen als ich, sehen das relativ ähnlich.

Was haltet ihr davon, dass wir heute ein YouTube Video besprochen haben? Habt ihr Beispiele von gewöhnlichen Dingen, die in einem Film gut anders eingesetzt wurden?

Schreibe einen Kommentar