Das Urheberrecht

Ich mag es echt nicht über dieses Thema zu reden, da so extrem viel Misinformation kursiert. Außerdem muss man, wenn man seriös ist, immer darauf hinweisen, dass es sich bei dem folgenden Beitrag nicht um Rechtsberatung handelt. Ich bin übrigens kein Anwalt und das ist offensichtlich keine Rechtsberatung. Das lässt einen natürlich immer dastehen als hätte man keine Ahnung gegenüber jemandem, der einfach nur in seine Kamera schreit, wie schlimm die bloße Existenz des Urheberrechts ist. Dasselbe gilt natürlich auch gegenüber Interviewpartnern von Verwertungsgesellschaften, die der Meinung sind, dass nichts mehr heilig ist, wenn die Einschränkungen nicht verschärft werden. Hier kurz mein fach-relevanter Hintergrund: Ich habe eine Veranstaltung zum Urheberrecht in einem Wahlpflichtfach meiner Universität belegt und mit 1,7 bestanden. Offensichtlich habe ich also kein perfektes Verständnis des Urheberrechts, allerdings habe ich Fachkenntnis aus einer seriösen Quelle erlangt.

So nach dieser Tirade zur Diskussionskultur, die das Thema umgibt, kommen wir zum eigentlichen Beitrag.

Das große Dilemma des Urheberrechts

Das Urheberrecht wurde in einer Zeit vor dem Internet entweder dann angewandt, wenn eine große Firma eine Streitigkeit mit einer anderen großen Firma hatte oder wenn eine Privatperson oder kleine Firma eine Streitigkeit mit einer Privatperson oder kleinen Firma hatte. Also zum Beispiel eine Plattenfirma meint einen Teil einer, von ihnen erstellten Melodie, in einem Produkt einer anderen Firma erkannt zu haben. Ein anderes Beispiel ein Vermieter bezahlt einen freiberuflichen Künstler ein Wandgemälde in einem Gang anzubringen und ändert es nachträglich, was dem Künstler nicht gefällt. In beiden Fällen haben beide Parteien Zugang zu den gleichen Rechtsmitteln.
Mit dem Internet traten kleine Content Creator, wie meine Wenigkeit, auf den Plan. Wenn ich jetzt über eine Filmszene reden möchte und sie euch zeige, kann das durchaus rechtmäßig sein. Angenommen ich zitiere sie nach §51 UrhG (Zitatrecht) richtig und gebe nach §63 UrhG (Quellenangabe) die Quelle richtig an. Allerdings kann ich das nicht gegenüber einem Urheberrechtsanwalt mit jahrzehntelanger Erfahrung verteidigen, den sich Disney, Warner und Co. leisten können. Selbst kann ich mir diesen aber nicht leisten. Wenn also ein entsprechendes Schreiben kommt, ist die einzig sinnvolle Entscheidung nachzugeben.
Außerdem sind die Regelungen des internationalen Urheberrechts so kompliziert, dass ich keine Ahnung habe, ob das deutsche Urheberrecht überhaupt ausreicht, um mein Zitat zu verteidigen.

Was darf man denn eigentlich?

Nochmal: Das ist keine Rechtsberatung und ich benutze hier als Beispiel nur Dinge, die zur freien Verfügung stehen oder an denen ich das Urheberrecht habe.
Ich darf, wie man es in der Schule kennengelernt hat, Text zitieren. Also zum Beispiel:
“Zu dem Thema ‘Genre Bias’ schrieb der Blogger ‘DerTedz’ in einem Blogeintrag vom 17. Januar 2021 folgendes: ‘Bei klar definierten Genren kann man auf einem persönlichen Level gut entscheiden, ob ein gegebenes Werk einem gefällt.’ [https://dertedz.de/2021/01/genre-bias/ zuletzt aufgerufen: 14.03.2021]”

Ihr seht schon dieses Zitat ist etwas aufgebläht. Laut §63 wäre in diesem Fall nur der Autor anzugeben. Allerdings gibt es so viele Angaben die man normalerweise im Journalismus oder in der Wissenschaft macht, beziehungsweise machen muss, dass eine “richtige” Quellenangabe ein sehr verwässertes Konzept ist. Ich vermeide in der Regel daher direkte Zitate und gebe Informationen nach meinem Verständnis wieder, meine Quellen findet ihr trotzdem immer im letzten Abschnitt eines Beitrags.

Natürlich kann man auch ein Bild zitieren. Dabei hat es sich für mich bewährt die Quellenangaben in einer der Ecken des Bilds festzuhalten. Auch hier ein Beispiel:

Außerdem können wir Inhalte, von z.B. YouTube, Twitter, etc., einbetten, also den Inhalt nicht kopieren und bei uns hochladen, sondern nur anzeigen. Hier mal das erste YouTube Video überhaupt als Beispiel:

Meine Horrorszenarien

Für mich gibt es zwei Horrorszenarien im Bezug auf das Urheberrecht, die beide daher kommen, dass ich keinen Anwalt bezahlen kann, der mich gegen große Kanzleien verteidigen könnte.
Auf das Erste habe ich schon einen Vorgeschmack bekommen. Ich habe vor einigen Jahren ein Video auf YouTube hochgeladen, dass ich auf nicht gelistet gestellt hatte und mit meinen Freunden geteilt habe. Es hat keine 100 Views nach knapp einem Jahr gehabt und wurde dann wegen Urheberrechtsverstößen gelöscht. Da das wirklich im privaten Rahmen geblieben ist sollte ich unter §53 UrhG keine Erlaubnis einholen müssen. Naja, aber eine Anwaltskanzlei hat das Video geclaimt und es wurde gelöscht. Was kann ich tun, um für mein Recht zu kämpfen? Gar nichts! Zumindest nicht für einen bezahlbaren Preis. YouTube “Copyright School” fühlte sich dann nach blankem Hohn an. Was mache ich jetzt, wenn ich einen Brief vom Anwalt bekomme in dem steht, dass ich mit diesem Blog das Urheberrecht ihres Klienten verletzt habe? Wahrscheinlich den Beitrag löschen und die Strafe zahlen.
Auf der anderen Seite schaffe ich hier ja Inhalte, an denen ich das Urheberrecht habe. Denkt sich jetzt ein Autor in einem großen Medienhaus: “Ah, dieser Blog ist eher unbekannt. Ich schnappe mir einen Beitrag und gebe ihn als meine eigene Kolumne aus.” Kann ich mich gegen die Anwälte eines großen Medienhauses wehren und mein Urheberrecht verteidigen? Eher nicht, die beste Idee wird sein: Schweigen und hoffen, dass sie nicht behaupten, ich hätte von ihnen kopiert. Man könnte meinen dieses Szenario wäre an den Haaren herbeigezogen, allerdings war das 2018 bei IGN der Fall. Während IGN sich damals von ihrem Autor trennte, ist es, glaube ich, nicht schwer sich vorzustellen, was passiert, wenn der Verleger keine so starken Moralvorstellungen hat.

Wie gehe ich hier mit dem Urheberrecht um?

Ich werde keine Film- oder Musik-Zitate verwenden, keine Videos einbetten und keine Bilder oder Screenshots zeigen, obwohl das alles theoretisch erlaubt wäre, nur um auf der sicheren Seite zu sein. “Aber auf Twitter machst du doch als @DerTedz Bildzitate” – Ja, dort habe ich auch noch Twitter als Knautschzone zwischen mir und kostspieligen Urheberrechtsverfahren. Auf meiner eigenen Seite nicht.
Stattdessen werde ich relevante Szenen zusammenfassen. Außerdem haben wir den Vorteil, dass man, durch Streaming-Portale, eigentlich immer Zugriff auf viele Filme hat, deswegen versuche ich euch relevante Filme zu einem Thema zu empfehlen, wenn es sich anbietet. Damit könnt ihr euch dann auch eigene Gedanken dazu machen.

Leider ist dieser Beitrag eher zu einer Tirade geworden, aber es war mir wichtig zu erklären, warum hier nur einfache Grafiken auftauchen, die ich selbst erstellen kann, beziehungsweise, die frei verfügbar sind. Vielleicht habe ich euch auch einen neuen Blick auf die Urheberrechtsdebatte, die immer wieder aufflammt, gegeben.

Quellen

  • https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/
  • https://www.anwalt.de/rechtstipps/urheberrecht-risiken-beim-kopieren-und-einbetten-von-fremden-videos_078692.html
  • Fall: Filip M.: https://www.gamesindustry.biz/articles/2018-08-07-ign-removes-dead-cells-review-after-youtubers-plagiarism-accusations

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